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Dinge, die ich über Röhrenradios gelernt habe

Der Mensch lernt ja am Besten aus Dummheiten oder wenn er sich in ein Thema reinkniet, von dem er initial nicht den leisesten Schimmer hat. So geht es mir mit unseren Röhrenradios.

Im Herbst 2024 sind die Liebste und ich auf das Thema gestoßen und dass es ja eine schöne Bereicherung wäre, solch ein Gerät zu besitzen. Nach viel Rumgeschleiche auf diesem Auktionsportal mit den vier Buchstaben erwarben wir für einen Spottpreis inklusive Versand das Telefunken Largo 1253. Aus Franken geliefert präsentierte sich das Gerät in einem dem Alter entsprechenden aber guten Zustand und wir waren sehr ermutigt, diesen Glücksfall zu wiederholen. Für die Küche wollte die Liebste was Kleineres und erstand eine Philetta BD 273 U. Ich war mit der Philetta nicht ganz einverstanden, weil sie nur einen NF-Tonabnehmer-Anschluss hatte. Die dazu gehörigen Stecker hat damals fast ausschließlich die Firma Hirschmann gefertigt, es gibt diese Firma längst nicht mehr. Stecker kann man zu Mondpreisen kaufen, diese sind aber unbelegt. Mein Argwohn war also durchaus berechtigt.

Das Gerät kam leider nicht in dem guten Zustand wie das Telefunken an, das Gehäuse war leider bereits gebrochen. Das Adapter-Thema konnte dank Jörg Baltschun und sein Team bei Neufeldt & Kuhnke gelöst werden. Nun hatte ich die Tage Muße, mich um die Bluetooth-Fähigkeit der Philetta zu kümmern. Dabei habe ich gelernt:

Das Problem konnte ich temporär durch Verwendung einer Powerbank lösen. Das ist zwar einfach, setzt aber volle Aufladung voraus. Und Musikgenuss ist halt einfach nicht planbar. Es führt also kein Weg daran vorbei, dass die Philetta eine Werkstatt besuchen muss - mindestens für die galvanische Trennung. Die Skalenbeleuchtung hat aber auch einen weg und der Geruch beim Betrieb ist mir nicht ganz geheuer. Kann Verschmutzung durch Staub, aber auch wegbritzelnde Elektronik sein. Das Risiko ist mir auf Dauer zu groß, zudem muss ich aber auch abwägen, wie viel Aufwand für die Philetta noch gerechtfertigt ist. Der Klang jedenfalls ist so gut, dass ich noch nicht aufgeben mag.

Das nächste Röhrenradio hat aber auf jeden Fall wieder einen DIN-Anschluss, der Standard ist noch nicht so überholt und weniger empfindlich. Soll ja keiner sagen, dass ich nicht gelernt hätte.


Hier, ihr wisst ja, Blogs sind nie fertig und so. Heute habe ich ein paar Tweaks im Styling implementiert und dabei auch Fehler korrigiert. In dem Zuge stellte sich raus, dass VS Codium sich Fehler einbildete. Aber in der Syntax korrekt sind. Mit einem ignore-Befehl ist das lösbar, zwölf vermeintliche Fehler sind keine mehr. Wenn das immer so einfach wäre.

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1985: Ein Jahr in Musik

1985 war für die Musikbranche ein definierendes Jahr. Musik mutierte zur globalen und visuellen Marke, durch TV-Sender wie MTV und VH-1 immerzu verfügbar. Gleichzeitig prägten große Stadionkonzerte, die Dominanz von Synth-Pop und der Übergang von Vinyl auf die Compact Disc das Jahr. Und es war das Jahr, in dem ich zur Welt kam. Daher möchte ich euch mit auf eine Reise nehmen, die in zwölf Posts (antizyklisch) das Musikjahr 1985 seziert und aufzeigt, was so faszinierend an den Klangerzeugnissen dieser Zeitspanne war.

Der kalte Krieg bleibt politisch beherrschendes Thema, nach einer Abfolge alternder und gebrechlicher Generalsekretäre übernimmt ein gewisser Herr Gorbatschow das wichtigste Amt in der Sowjetunion. Von Entspannung ist aber noch nichts zu spüren, dafür ist die Rhetorik zwischen ihm & US-Präsident Reagan zu festgefahren. Unter diesem Einfluss gedeiht jedoch eine popkulturelle Öffnung, deren Auswirkungen noch heute spürbar sind. Musiker:innen & Bands gewinnen Wiedererkennungswerte rund um die Welt und sind Imageträger:innen, sowohl in ihrer Kunst, als auch in Werbung und durch Unterstützung für soziale Belange. Zugleich stützt das Fernsehen als Medium die Überhöhung der Stars, sowohl durch die Ausstrahlung von Musikvideos als auch die Live-Übertragung von Events wie Live8. Der visuelle Eindruck gewinnt dadurch hohe Relevanz. Sowohl die Gestaltung von Videos (vgl. Take on me von a-ha) als auch Mode & Looks der Künstler:innen setzen Trends. Zugleich wandert die Jugendkultur aus den Suburbans und Stadtteilen ins Rampenlicht der Öffentlichkeit. Hip-Hop wird ein Faktor in der Musik, Breakdance gehört selbstverständlich dazu und verbreitert das Spektrum der kulturellen Strömung enorm. 1985 ist popkulturell ein Jahr der Prosperität.

Die CD setzt neue Maßstäbe in der Transformation von Musik ins Digitale. Auch die Produktionen lösen sich vermehrt vom Tonband zu fortschrittlicheren Methodiken. MIDI und Synthesizer sorgen für klareren und vielfältigeren Klang. Kreative Ideen lassen sich immer einfacher und ohne massiven Einsatz von zusätzlichen Ressourcen umsetzen, das schafft eine Demokratisierung der musikalischen Fähigkeiten und Output, der das Jahrzehnt prägt. Refrains werden zu massentauglichen Trägern von Emotionen, unterlegt durch technischer konstruierte Musik. Diese Musik wird poppiger, trotz der Vielfalt an Stilrichtungen. Und zugleich wird die Kunst sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst, Bob Geldorf trommelt im Sommer zu Live8 zusammen und schafft so den Zusammenhaltsmoment des Jahres. Diese Charity-Bewegung wird sich in Kampagnen wie USA for Africa weiter tragen und so den Blick auf die Menschen richten, die fernab von den Scheinwerfern der Konzerte solchen Ausmaßes leben.

1985 war also ein wichtiges Jahr - geprägt von Aufbruch, neuen Möglichkeiten und vor allem viel guter Musik. Mit einer gesunden Portion Subjektivität werde ich in den kommenden Wochen für jeden Monat des Jahres einordnen, welche Releases und warum sie wichtig waren. Denn wir alle wissen: Ein Jahr geschieht nicht auf einmal.


Highs and Lows

Es geht nur noch um das Erreichen der Amplitude, niemals um den Median. Die Ausprägung ins Positive oder Negative ist nebensächlich. Hauptsache, es scheppert und wir alle spüren Emotionen, schütten Hormone aus. Am Besten schreiben wir das noch ins Internet und entfachen Flächenbrände im Ausmaß des Regenwaldes. Ferngelenkt von Accounts, deren Menschen dahinter wir nicht kennen und deren Absichten uns nicht klar sind. Aber wir reagieren und das mit epochaler Wucht.

Aber wem nützt Rückenmark-gesteuerte Geschäftigkeit? Uns wohl kaum, Anderen nur in ihrer Gehässigkeit. Ich möchte mich weder vor einen Karren spannen lassen noch permanent auf der Hut sein müssen, weil ich nicht weiß, wer mich wie zur Emotion verleiten lassen will und aus welchem Kalkül. Meine Reaktion gehört mir, niemand Anderem. Und genau so schreibe ich auch niemanden vor, wie sie oder er auf mich reagieren soll. Wenn es dich triggert, was ich sage oder schreibe, ist das nicht meine Verantwortung. Ich würde mich aber freuen, wenn du mir sagst, warum.

Dauerhaft Amplituden erzeugen führt in letzter Konsequenz zur Systemüberlastung. Wenn es knallt, geht was kaputt. Das erleben wir in der Gesellschaft tagtäglich, im Internet wie in der Petrischale. Das bemängeln wir achselzuckend und öffnen dann wieder Instagram und die anderen tollen Apps, die uns gleich wieder den nächsten vermeintlchen Skandal auf die Netzhaut brennen.

Wann sind wir endlich so satt davon, dass wir nur noch kotzen?


Wenn es doch jeder besser weiß, warum macht es niemand besser? Oder geht es am Ende nur darum, Anderen vorzumachen, dass man viel besser handeln würde?

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